GESCHICHTE DER UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR RADIOLOGIE GRAZ

von H. Schreyer, R. Fotter

durchleuchtung_01.jpg




​ ​ ​
Die ersten Röntgengeräte des Landeskrankenhauses Graz wurden im Jahre 1897 vom Internisten Friedrich Kraus und bald darauf vom Pädiater Meinrad Pfaundler in Betrieb genommen.
 
1920 wurde an der Chirurgischen Klinik eine Röntgenabteilung, bestehend aus einem Röntgenraum, eingerichtet. A. Leb wurde zum Leiter dieser Abteilung ernannt. Nach einer 2-jährigen Ausbildung bei Holzknecht (Wien), Hohlfelder (Frankfurt) und Forssel (Stockholm) übernahm A. Leb als Oberarzt und selbständiger Leiter das im Erdgeschoß des Westtraktes des heutigen alten Chirurgiegebäudes neu errichtete Zentralröntgeninstitut.
 
1924 wurde Leb habilitiert und leitete in weiterer Folge als Primarius das Zentrale Röntgen – und Radiuminstitut des Landeskrankenhauses Graz. Durch den steigenden Bedarf an röntgendiagnostischen Leistungen und strahlentherapeutischen Behandlungen wurde ein Neubau notwendig, der als Zubau an die Chirurgische Klinik errichtet und im Jahr 1955 eröffnet wurde. Dieser Neubau ist das Zentrum der diagnostischen Radiologie des Landeskrankenhauses-Universitätsklinikum Graz.
 
1958 erfolgte die Errichtung des Lehrstuhles für Medizinische Radiologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, Anton Leb wurde zum ersten Ordinarius dieses Faches berufen. Er emeritierte im Jahr 1964. Sein Nachfolger wurde 1965 E. Vogler. In dessen Wirkungszeit fiel die rapide Entwicklung des Faches Medizinische Radiologie. Dieser Entwicklung Rechnung tragend erfolgte eine organisatorische und bauliche Umgestaltung der Klinik.
 
Im Jahre 1973 wurde die Klinik gemäß dem damaligen Hochschulorganisationsgesetz strukturiert und in die Abteilungen für Konventionelle Radiologie, Spezielle Radiologie (Angiographie und Interventionelle Radiologie), Nuklearmedizin und Strahlentherapie unterteilt. Neben E. Vogler, der als Klinikvorstand auch die Abteilung für Konventionelle Radiologie leitete, wurden die ao.Universitätsprofessoren (gem. § 10 HOG, später § 31 UOG) H. Schreyer (Spezielle Radiologie), G.F. Fueger (Nuklearmedizin) sowie E. Kahr (Strahlentherapie) zu Abteilungsleitern ernannt.
 
Beginnend in der 2. Hälfte der 60iger Jahre wurde das 4. Obergeschoß des Neubaues der Radiologischen Universitätsklinik, der zum Teil in ein Flachdach integriert war, für die Errichtung einer Nuklearmedizinischen Abteilung ausgebaut.
 
Die Umsiedlung der bis zum Jahr 1978 provisorisch im neuen Gebäude der Radiologie untergebrachten Abteilung für Urologie in den chirurgischen Gebäudekomplex sowie die Übersiedlung der Abteilung für Strahlentherapie in einen 1984 fertig gestellten Neubau waren die Voraussetzungen für die Schaffung neuer Untersuchungsräume die sowohl für die Verbesserung der Patientenversorgung durch konventionelle Röntgenverfahren als auch für die Einführung neuer bildgebender Verfahren dringend notwendig waren. Der Bereich der konventionellen Röntgendiagnostik im Erdgeschoß der Radiologischen Klinik wurde durch die bisher von der Strahlentherapie genutzten Räume erweitert. Die Mammographie wurde durch einen Raum für klinische Untersuchungen und Ultraschalluntersuchungen der Brust sowie durch einen Raum für ein zusätzliches Mammographiegerät vergrößert. Es wurden neue Untersuchungsräume für die Dickdarmdiagnostik sowie für kombinierte endoskopische und röntgenologische Untersuchungen der Gallengänge und des Pankreas eingerichtet. Mit neuen Anlagen ausgestattete Untersuchungsräume wurden für Röntgenuntersuchungen des Thorax, des Skelettsystems und der IV-Urographie geschaffen.
Im 2. Stock des Neubaues des Zentralröntgeninstitutes wurden 3 CT-Geräte in Betrieb genommen, darunter das erste Gerät der Klinik, das aus Platzmangel 1976 provisorisch in einem Raum der Abteilung für Nuklearmedizin in Betrieb genommen wurde. Ein viertes CT-Gerät wurde in der Abteilung für Strahlentherapie stationiert, das zu 50 % für diagnostische Zwecke und zu 50 % für die Planung von strahlentherapeutischen Behandlungen genutzt wurde. In die CT-Station wurde eine Ultraschallstation eingegliedert.
Die Abteilung für Spezielle Radiologie, die den 1. Stock des Neubaues mit der Strahlentherapie teilte, wurde, um den steigenden Anforderungen der Interventionellen Radiologie Rechnung zu tragen, um eine Angiographieanlage erweitert. Außerdem wurde ein Nachsorgeraum mit allen Einrichtungen für die Überwachung von Patienten nach Eingriffen sowie die Behandlung von Notfällen geschaffen. Von den insgesamt vier Angiographieräumen war ein Raum mit einer 2-Ebenen-Angiographie ausgestattet. Diese wurde zu je 25 % von der Abteilung für Kinderkardiologie und der 2. Medizinischen Abteilung für kardiologische Untersuchungen genutzt, bis ein neuer kardiologischer Untersuchungsraum an der Kinderklinik errichtet wurde bzw. die 2. Medizinische Abteilung in das Landeskrankenhaus Graz-West übersiedelte. 1996 wurde diese Anlage durch eine für neuroradiologische Interventionen konzipierte 2-Ebenen-Angiographie ersetzt.
 
1998 wurde anlässlich des Austausches einer alten Anlage eine 1-Ebenen Angiographie in einem als Operationssaal der Klasse 2 adaptierten Raum für die kombinierte Durchführung endovaskulärer Eingriffe und chirurgischer Eingriffe am Gefäßsystem eingerichtet.
Für die Aufstellung von MR-Geräten erfolgte ein Zubau an das Gebäude der Radiologischen Klinik, der für 2 Geräte ausgelegt war. Das erste 1,5 T MR-Gerät wurde 1987, ein zweites 1,5 T MR-Gerät 1993 in Betrieb genommen. Die MR-Abteilung wurde als Gemeinsame Einrichtung der Medizinischen Fakultät nach § 56 UOG von E. Justich, tit.ao.Universitätsprofessor für Radiologie, geleitet. Nach dessen frühzeitigem Tod 1990 wurde Univ.-Prof.F.Ebner zum Leiter ernannt.
 
Die Einbindung des Faches Radiologie in das Medizinstudium als Pflichtfach und die daraus resultierende wesentlichen Zunahme des Lehrbetriebes machte einen Umbau und Ausbau des Hörsaals notwendig, der 1986 erfolgte.
Mit 30. September 1990 emeritierte E. Vogler. Als stellvertretender Klinikvorstand leitete H. Schreyer interimistisch die Klinik bis R. Rienmüller (Klinik für Radiologie des Klinikums Großhadern, München) am 1. April 1992 als ordentlicher Universitätsprofessor die Leitung der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologie übernahm und bis zur Umsetzung des UOG 1975 zum Klinikvorstand gewählt wurde.
 
1994 erfolgte die Neustrukturierung der Klinik in Klinische Abteilungen nach § 54 UOG 1975: Allgemeine Radiologische Diagnostik (Leiter: R. Rienmüller), Spezielle radiologische und sonstige bildgebende Verfahren (bis zu seinem Ruhestand 1998 Leiter: H. Schreyer, danach als suppl. Leiter K.A. Hausegger 1998-2002 und G.E. Klein seit 2002), Kinderradiologie (Leiter: R. Fotter), Nuklearmedizin (bis zu seinem Ruhestand 1998 Leiter G.F. Fueger, R. Aigner seit 1998) und Strahlentherapie (Leiter: A. Hackl bis 2000). Mit in Kraft treten der neuen Klinikstruktur gem. UOG 1975 wurde Univ.-Prof.Dr. R. Fotter zum Klinikvorstand gewählt, die Wiederwahl erfolgte 1999, gem. UG 2002 wurde er mit Jänner 2005 zum Klinikvorstand weiterbestellt.
 
2000 erfolgte die Herauslösung der Strahlentherapie und Gründung einer Universitätsklinik für Strahlentherapie-Radioonkologie (Leiter: A. Hackl bis zur Pensionierung 2005, danach interim. Leiterin: K. Kapp).
 
2003 erfolgte eine Umstrukturierung der Klinik unter Auflösung der Gemeinsamen Einrichtung für Magnetresonanztomographie gem. § 66 UOG 93 (Leiter: F. Ebner) in folgende Klinische Abteilungen gem. § 62 UOG 93: Allgemeine Radiologische Diagnostik (Leiter: R. Rienmüller), Vaskuläre und Interventionelle Radiologie (suppl. Leiter: G.E. Klein), Neuroradiologie (Leiter: F. Ebner), Nuklearmedizin (Leiterin: R. Aigner), Kinderradiologie (Leiter: R. Fotter) und eine Gemeinsame Einrichtung für Großgeräte (CT-Geräte, US-Geräte und eine Angiographie-Anlage) gem. § 25a KALG.
 
2007 erfolgte die Weiterentwicklung der Struktur. Das Ärzteteam der Gemeinsamen Einrichtung wurde aufgelöst und das Personal an die Klinischen Abteilungen zur Dienstverrichtung zugewiesen. Ansonsten blieb die Struktur der Abteilungen unverändert.
Im Jahre 2000 erfolgte die Gründung der EBA (Erstuntersuchung, Beobachtung und Aufnahme) in der ein CT-Gerät, ein Ultraschallgerät und eine Digitale Projektionsradiographie zur Aufstellung gelangten und von der Universitätsklinik für Radiologie Graz betreut bzw. versorgt werden.
 
2006 erfolgte die Aufstellung eines 3 Tesla MR-Forschungsgerätes im 1. Untergeschoß der Klinik. Die Finanzierung und der Forschungsbetrieb wurden bzw. werden gemeinsam mit der Technischen Universität Graz abgewickelt.
 
Seit der Einführung des „Curriculum Neu“ im Jahre 2004 erfolgt die studentische Lehre an der Universitätsklinik für Radiologie Graz parallel nach den Regelungen des alten Curriculums und des sog. „Curriculum Neu“.
Die Forschungsschwerpunkte richten sich nach den Forschungsprogrammen der Klinischen Abtei­lungen. Der abteilungsübergreifende Forschungsschwerpunkt „Biomedical Imaging, Engineering and Intervention“ ist seit der Gründung mit 1.1.2004 einer der Forschungsschwerpunkte der Medizi­nischen Universität Graz. Mehrere, z.T. drittmittelgeförderte Projekte zu diesem Schwerpunktthema sind in Umsetzung.​ ​ ​ ​ ​ ​
durchleuchtung_02.jpg

durchleuchtung_05.jpg

durchleuchtung_04.jpg

eingang.jpg



gang.jpg



Scan_06_19.jpg



Scan_09_08.jpg



Scans_08_14.jpg



3T_MR.jpg

 

poster_110_jahre_001.jpg

poster_110_jahre_002.jpg

 

 

Letzte Aktualisierung: 08.10.2012